Astrologie und Weihnachtsgeschichte

Alle Jahre wieder legen nicht nur Theologen sondern auch Astrologen die Weihnachtsgeschichte aus, wie sie beim Evangelisten Matthäus erzählt wird. Kein Wunder, denn nur in ihr ist die Rede vom Stern von Bethlehem und den Weisen aus dem Morgenland! Auf ein neues also.

Bibelzugänge

Die Bibel ist nicht wie ein normales Buch oder ein historischer Text zu lesen. Es geht nicht um ihre Verwendbarkeit in der Welt, denn das hieße, nur die Außenseite des Wortes zu betrachten. Mit der Außenseite des Wortes beurteilt und beschreibt man das Erscheinende und man schlussfolgert daraus, ob es gut oder böse sei, ob man es für seine eigenen Zwecke in der Welt gebrauchen könne, ob man es moralisch oder politisch gerechtfertigt findet. So machen es die Fundamentalisten aller Religionen.

Es geht aber darum, die Innenseite des Wortes zu betrachten. Diese und die folgenden unschätzbar wichtigen Hinweise verdanken wir dem jüdischen Bibel- und Astrologiekenner Friedrich Weinreb. Die Bibel ist ein heiliger Text, Man muss also Verborgenheiten, Geheimnisse, Mitteilungen suchen. Die Bibel will nicht über historische Vorkommnisse informieren, sondern Mitteilungen machen über die innere Verbindung von uns Menschen zu Gott. Alle Völker, alle Personen der Bibel leben im Menschen, in seinem Inneren und zwar zu allen Zeiten. Und nur in dieser Hinsicht kann es wahr sein, dass Völker ausgerottet, Ehebrecherinnen gesteinigt, Sabbatübertreter hingerichtet, Männer in Feueröfen geworfen werden.

Das Geheimnis des Kindes

Es versteht sich nun, dass auch die Betrachtung von Jesus als rein historische Figur eine Sackgasse ist. Und damit auch die zahlreichen Versuche von namhaften Astrologen, das Geburts- oder Todeshoroskop Jesu zu berechnen. Man kommt dem Geheimnis Jesu nicht dadurch nahe, dass man nach seinem Lebenslauf fragt, oder wo er amtlich gemeldet war…

Die Geburtsgeschichte Jesu springt ja völlig aus dem Rahmen des Gewohnten. Es geht um nichts Geringeres als die Geburt Gottes im Menschen, in jedem einzelnen, in mir, in Dir.

Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren

und nicht in Dir, Du bleibst doch ewiglich verloren.“

Angelus Silesius

Etwas völlig Neues kommt in die Welt und man kann es nicht ergattern. Durch nichts, nur bereit sein, für das Geschenk der Gnade. Vergisst man die Zeugung durch den heiligen Geist und die Jungfrauengeburt, will man die Einmaligkeit, das Geheimnis loswerden. Sowenig, wie man die Existenz und den Wohnort des Erzengel Gabriel beweisen kann, sowenig kann man das Horoskop Jesu berechnen. Jemand, von dem gesagt wird, dass er der „Erstgeborene vor aller Schöpfung“ ist (Kol. 1.15), dass er „vor allem ist und alles in ihm besteht“ (1.17) und der von sich selbst sagt „ehe Abraham wurde, bin ich“ (Joh. 8.58) hat keine Geburtsminute nötig!

In ähnlicher Weise inhaltlich sinnlos ist in diesem Sinne der Versuch, die exakte Gestirnskonstellation des Sterns von Bethlehem zu eruieren. Auch wenn seit Kepler viele und wirklich gelehrte Astrologen dazu logisch stringente Versuche unternommen haben.

Die eigentliche Sensation ist aber eine ganz andere:

sie ist darin zu sehen, dass es Astrologen, Sternenkundige gewesen sind, die als erste den Heiland gefunden und zu ihm gebetet haben! Jawoll, unsere Vorgänger!

Sie werden im griechischen Originaltext „magoi“ genannt. Das ist eine Bezeichnung für Priester, die sich mit Traumdeutung, Sterndeutung und prophetischen Sprüchen auskennen. Das Wort wird aber manchmal auch benutzt für die Chaldäer, die tatsächlich babylonische Sterndeuter gewesen sind. Von daher kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass es Artgenossen moderner Astrologen gewesen sind. Und diese Sterndeuter haben berechnet, dass etwas Unglaubliches, Einzigartiges, nämlich der Anbruch eines neuen Zeitalters, die Geburt des Messias damals quasi in der Luft lag.

Friedrich Weinreb schreibt, dass es in der jüdischen Mystik gar keinen Unterschied zwischen den Mitteilungen der Bibel und denen der Astrologie gebe. In der Auslegung biblischer Texte und in der Auslegung eines Horoskops bemühen wir uns, Zeichen und Geschichten zu übersetzen, Entsprechungen für die Botschaften zu finden, die aus dem Verborgenen in unsere Alltagserfahrung hinüberwehen. Überhaupt gilt es erst einmal, diesen „windigen“ Botschaften, dem „Hauch“, zu lauschen, offen für sie zu werden. Wenn Gott in uns geboren worden ist, wenn alle Personen in der Bibel innerer Teil von uns sind (und zwar nicht nur die Apostel und Jünger und Propheten, sondern auch der Pharao, Dämonen, Dirnen, Pharisäer, Steiniger, Kain und ähnlich liebreizende Gestalten), dann heißt, einem Menschen sein Horoskop auszulegen, doch nicht weniger als ihm zu erklären, in welch einzigartiger Weise Gott in ihm eingeprägt ist, welche Verheißungen für ihn persönlich da sind. Und es heißt nichts anderes, als dass wir als Auslegende in jeder Horoskopdeutung unserer eigenen Beziehung zu Gott, unserem eigenen Geheimnis begegnen.

Die Magoi sind es auch gewesen , die dem göttlichen Kind Gold, Weihrauch und Myrrhe dargebracht haben. Davon dass es drei waren, steht natürlich nichts beim Evangelisten Matthäus, schon gar nicht dass sie Caspar, Melchior und Balthasar hießen…, das sind Legenden späterer Jahrhunderte.

Gold gehört zum Tierkreiszeichen Löwe und es verweist auf Königtum und Würde, Weihrauch zum Prinzip Fische, er ist eine Manifestation des Göttlichen, Myrrhe wird zu Salböl verarbeitet und es wird Jesus in seinem Sein als Menschenkind dargeboten.

Die Astrologen haben also mit ihren Geschenken nicht weniger bezeugt und gefeiert, als dass Gott Mensch geworden ist, in diesem kleinen Kind, das das Königliche allen menschlichen Lebens verkörpert!

Welch eine Ehre für unseren Berufsstand!!!